Verlegerin Rebecca Metz im Gespräch mit Pfarrer Thomas Walter

 

Herr Pfarrer Walter, 

Sie sind Leiter des Geistlichen Zentrums Friedenskirche im Palais im Stadtpark.

Warum haben sie ihre Arbeit als Gemeindepfarrer aufgegeben, um diese Stelle anzutreten?

 

Ich war gerne Gemeindepfarrer; das ist eine wunderbare Aufgabe. Diese Stelle habe ich angetreten, weil ich hier eine Chance sehe, einen offenen kirchlichen Raum zu schaffen, der über die Grenzen der Konfessionen und der Religionen hinaus Menschen in ihrer spirituellen Suche unterstützt. Es geht dabei nicht zuerst darum, Antworten anzubieten, sondern Fragen zuzulassen, mit diesen Fragen zu gehen und miteinander suchen. Ich bin Alt - Katholischer Pfarrer und die Alt-Katholische Kirche versteht sich von Anfang an als Brückenkirche,  d.h  sie will helfen, Brücken zu schlagen zwischen den Konfessionen und ich würde dazusetzen, auch den Religionen. Ich sehe im Geistlichen Zentrum eine Form, den Auftrag Brückenkirche zu sein, neu zu verlebendigen. 

 

Sie stellen die Kontemplation in den Mittelpunkt ihrer Arbeit.

Was versteht man darunter?

 

Wie andere wichtige Werte ist auch die Stille ein Menschenrecht, nicht per se, sondern weil sie Grundlage einer Lebenshaltung ist, die ich als kontemplative Lebenskultur bezeichnen möchte. In dieser Haltung spielt die Wahrnehmung eine wichtige Rolle.

Diese Wahrnehmung kommt oft zu kurz, weil es an Räumen fehlt, die das ermöglichen - Räumen der Stille, in denen ich zuerst da sein darf – ohne Bewertung und Beurteilung, ohne Machen und Handeln zu müssen. Nur wo es diese Räume gibt und Menschen immer wieder solche Räume aufsuchen können, ist die Grundlage eines friedvollen und achtsamen Zusammenlebens nicht gefährdet. In diesen Räumen  können Menschen zu sich selbst finden. Wenn ich „außer mir“ bin, kann ich dem anderen und mir selbst nicht achtsam und friedvoll begegnen.

 

Das Geistliche Zentrum ist Teil von Dr. Buchmüllers Konzept der ganzheitlichen Heilung. Ihre Tür steht aber nicht nur Patienten der Klinik offen. Teilweise kommen Besucher von weit her, um bei Ihnen einen Ort der Stille zu finden. 

Was ist das Besondere am Geistlichen Zentrum?

 

Das Gebäude "Palais im Stadtpark" hat in seiner leidvollen Geschichte viele verwundete Menschen beherbergt. Sie wurden in den verschiedenen Kontexten unterschiedlich beachtet und behandelt.

Das Geistliche Zentrum will innerhalb des Konzeptes ganzheitlicher Heilung wie Dr. Buchmüller es vertritt, ein Ort sein, an dem Wunden gezeigt werden dürfen.

Die Wunden – persönliche wie auch die Wunden der Welt und der Schöpfung –  sollen als Ort erfahrbar werden, an dem die heilende Gegenwart Gottes  auf besondere und intensive Weise spürbar wird.

 

 

Das Gefühl von Überforderung nimmt immer mehr überhand, "Burnout" ist ein rasant fortschreitendes Phänomen bei Managern, Angestellten oder Alleinerziehenden - sogar Schüler kämpfen  schon mit Stressattaken. Warum geht es uns wirtschaftlich immer besser aber seelisch immer schlechter?

 

Das Gesetz des Wachstums prägt unsere Gesellschaft obwohl die Grenzen des Wachstums wahrscheinlich sogar schon überschritten sind. Dazu gehört auch, dass es immer um meine Stärken geht. Wo ich schwach bin muss ich es verstecken oder möglichst schnell zu alter Stärke und Kraft zurückfinden. Aber auch meine Verwundungen und die Brüche in meinem Leben können Quellen der Kraft sein. Sie machen mich empfindsamer und offener, wenn ich nicht davor weglaufe, sondern mich damit auseinandersetze und damit versöhne.

 

Hat man selbst Platz in einem Leben voller Erwartungen, die an einen gestellt werden? Darf man schwanken, ängstlich sein und sich nach Halt sehnen? Kann Religion da helfen?

 

Religion kann helfen, weil sie ein Bild vom Menschen vermittelt, das ihn nicht nur reduziert auf Stärke, Kraft, Leistung und Erfolg. Zuerst ist der Mensch von Gott geliebt – vor allem was er tut und leistet, d. h. er ist gerade auch dort getragen und geborgen, wo er schwach und ängstlich ist. Im Bild des Menschen, wie es die Religion vermittelt darf ich loslassen von dem Bild: „ich bin nur etwas wert, wenn ich kraftvoll bin!"  Der Alt-Katholische Erzbischof Dr. Joris Vercammen, Utrecht, hat es in einer Predigt so formuliert: „Der Same des Reiches Gottes ist unsere Verletzlichkeit.“

Das kann ich nicht allein im wissenschaftlichen Diskurs erfassen, dazu braucht es die Kontemplation: Still werden und da sein – ohne etwas machen zu müssen, mich der Liebe Gottes aussetzen und von ihr berühren lassen.

 

 

Kontakt

Pfarrer Thomas Walter

Am  Stadtpark 1

94469 Deggendorf

 

+49 991 37055795 +49 991 37055795

+4917684606341

 

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